„Was würdest du für deinen König tun?“ - Predigt zum 1. Advent (Matthäus 21,1-11)

Mon, 02 Dec 2024 11:19:38 +0000 von Tobias Patzwald

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Jesus zieht in Jerusalem ein: Matthäus 21,1-11: https://www.die-bibel.de/bibel/LU17/MAT.21.1-MAT.21.11

Heute:
Es ist Montagmorgen. Die Kinder sind im Kindergarten, die Kaffeemaschine blubbert, und er scrollt wie gewohnt durch sein Handy. Angebote, E-Mails, Breaking News – alles rauscht an ihm vorbei, bis ein kurzes Video seine Aufmerksamkeit fängt. Ein kleiner Schnipsel aus einem Kinofilm: „Für den König!“ schreit dort ein Soldat und stürzt sich todesmutig auf den Feind. Eine seltsame Aussage! Was soll das sein? Ein Trailer für den nächsten Blockbuster? Nein, einfach ein Meme. Ein kurzes Statement in Bewegtbildern eines Menschen. Dieser spezielle Vertreter feiert die totale Hingabe, die der Mann in dem Video so offensichtlich zeigt. Er scrollt weiter. Doch irgendetwas bleibt hängen. „Für den König.“ „Was bedeutet das für mich?“ fragt er sich „Wer ist überhaupt mein König? Habe ich einen? Und wenn ich einen hätte, was wäre ich bereit zu tun?“

Damals – Rahels Sicht:
Kurz vor Jerusalem vor etwa 2000 Jahren. Der Staub kitzelt der kleinen Rahel in der Nase, und die Sonne brennt heiß auf den Platz vor dem Stadttor. Die Menschenmenge drängt, schubst, flüstert. Manche rufen laut: „Hosanna! Rette uns, du Sohn Davids!“ „Ja, Rette uns doch!“ Aber wer ist er nur? Rahel boxt sich zwischen den Erwachsenen hindurch nach vorne, um besser sehen zu können. Da kommt er, wirklich er – aber er reitet auf einem Esel! Kein goldener Streitwagen, keine Soldaten. Nur er und dieses kleine, unscheinbare Tier. Die Erwachsenen werfen ihre Kleider auf den Boden. Einige haben mit ihren langen Messern Zweige von den Palmen geschnitten und schmeißen sie mit auf den Boden. Ihr kleines Herz klopft. Was passiert hier? So ganz kann sie es nicht fassen, aber sie spürt fast körperlich, dass das hier gerade ein ganz besonderer Moment ist.“Soll ich das auch tun?“ fragt sie sich. „Aber ich habe nur diesen einen Umhang. Mama wird schimpfen, wenn er dreckig wird.“ Aber die Magie des Momentes reißt sie mit und eine Stimme in ihr flüstert: Tu es! Also lässt sie den Stoff auf den Boden gleiten.

Heute:
„Was würdest du für einen König tun?“ frage er sich später, als er an der Bushaltestelle steht. Der Mann neben ihm flucht leise vor sich hin, weil der Bus wieder zu spät kommt. Eine Frau telefoniert lautstark, während sie ein Kind hinter sich herzieht. Er spürt die fünf Euro in seiner Tasche, die er seit dem Gottesdienst im Mai mit sich herumträgt. So richtig wusste er bis jetzt noch immer nicht, was er damit anfangen sollte.. „Mach etwas daraus“, hatte der Pastor den Anwesenden gesagt. Aber was? „Ihr habt Talente. Nutzt das Geld als Startkapital, um euer Talent sinnvoll einzubringen.“ So, oder so ähnlich hatte er die Menschen damals ermutigt und gesagt: „Am 1. Advent sehen wir uns wieder und dann erzählt ihr mir eure Geschichte.“ Der Schein fühlt sich plötzlich schwer an, als würde der König selbst ihn anschauen und fragen: Was tust du?

Damals:
„Mama, wer ist er nur?“ frage Rahel, als sie abends um das kleine Feuer sitzen. Ihre Mutter sieht sie lange an. „Die Leute sagen, er ist der Messias, der König, auf den wir warten.  Der, der uns befreien wird. Aber Rahel, er ist anders als andere Könige.“ Rahel starrt in die Glut. „Warum hat er dann keinen Thron? Keine Soldaten?“ Mama lächelt traurig. „Vielleicht zeigt er uns, dass Macht nicht in Stärke liegt, sondern in Liebe.“ Die Worte lassen sie nicht los. Liebe. Macht. Vielleicht kann ein König anders sein. „Vielleicht kann auch ich anders sein.“ überlegt Rahel später schläfrig, als ihre Mutter ihr die Decke über die Schultern zieht und ihr einen Gute-Nacht Kuss auf die Wange drückt. 

Heute:
Die fünf Euro verschwinden nicht aus seinen Gedanken. Also fährt er los, in den kleinen Edeka um die Ecke. Dort steht eine alte Frau und wühlt in ihrer Handtasche, während der Kassierer wartet. Sie findet die letzten Cent nicht. Er legt den fünf Euro-Schein auf die Theke. „Für sie“, sagt der Mann, und die Frau schaut ihn an, als hätte er ihr gerade ein Königreich geschenkt. Sie ziert sich erst, ist dann aber bereit zu akzeptieren. Mit einem Lächeln verabschieden sie sich. Als er den Laden verlässt, atmet er tief durch. Ein bisschen was von dem Geld ist weg, aber sein Herz fühlt sich leichter an und gleichzeitig voller. „Vielleicht habe ich etwas verstanden.“ denkt er. 

Damals:
Es ist dunkel, als Rahel leise durch die Straßen schleicht. Ihr Herz rast, denn sie weiß, was sie tun wird. Der Umhang, den sie heute auf den Weg gelegt hatte, lag wieder in der Ecke in ihrem Zimmer. Sie holte ihn hervor und hielt Ausschau. Wonach genau wusste sie erst, als sie die Frau dort sitzen sah. Vorsichtig drapierte sie ihn über die Schultern der Bettlerin, die in der Kälte kauert. Sie murmelt etwas, das sie nicht versteht, aber in ihren Augen sieht man Tränen. Als Rahel nach Hause rennt, spürt sie, dass sie etwas Gutes getan hat. „Vielleicht würde der König so handeln. Vielleicht würde er sich genau über mich freuen.“ flüstert sie in die Nacht und muss lächeln.

Heute:
Er sitzt im Kurpark auf der Bank und denkt an die alte Frau. Es war nur ein kleiner Moment, eine paar Cent. Aber etwas hat sich verändert. „Vielleicht bin ich ein bisschen mutiger geworden.“ überlegt er.  „Vielleicht kann ich mehr tun. Nein, ganz bestimmt kann ich mehr tun“. „Der König kommt“, denkt er. „Was bist du bereit für ihn zu tun?“ Aber vielleicht ist er schon da – in uns, wenn wir die kleinen Dinge tun, die Großes bewirken?

Damals:
„Rahel, was hast du getan?“ Mama schaut sie streng an, aber sie lächelt. „Etwas für den König.“ Ihre Mutter schweigt lange, dann legt sie ihre Hand auf Rahels Schulter. „Dann hast du mehr verstanden als die meisten von uns.“

„Was würdest du für deinen König tun?“ Es ist eine Frage, die damals genauso wie heute herausfordert. Es sind nicht immer die großen Gesten, sicher, die braucht es auch, aber eben auch die vielen Millionen kleinen, mutigen Taten. Die Taten, die Liebe in die Welt tragen, die ein Netz der Menschlichkeit und Wärme um den Globus spannen. Taten, die den Roten Teppich ausrollen, die eine ganz besondere Würde verleihen; dem König genauso, wie den Königskindern. Der König kommt – und er reitet auf einem Esel. Er fragt nicht nach goldenen Thronen, sondern nach unseren Herzen. Was würdest du für ihn tun?

Amen

 

Tobias Patzwald
Quelle: Johanna Mandrella
Taufstein mit Adventskranz in St. Laurenitus
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