Es war ein Samstagvormittag, als der Friedefürst seinen Thron bestieg. Er trug einen dunkelblauen Dino-Schlafanzug. Sein Szepter war aus vier silberglänzenden Konservendosen mit Panzertape zusammengetüddelt. In der anderen Hand hielt er seinen Reichsapfel in Form eines ziemlich zerliebten Kuschel-Hundes. Eine Krone hatte er nicht, die brauchte er nicht, um hoheitlich zu wirken. Der Friedefürst war schon vier! Aber die vollen Arme machten es für ihn ganz schön schwierig, auf seinen Thron hinaufzuklettern. Der Thron war der Schoß seines Vaters, der auf dem grauen Sofa saß. „Halten“ kam, die erfrischend klare und unmissverständliche Anweisung, während er seinem Vater das selbstgebastelte Szepter-Schwert hinhielt. „Aber nicht kaputt machen!“ Das schien ihm noch wichtig zu erwähnen. Mit einer Hand war es nun kein Problem mehr hinauf zu klettern. Er kuschelte sich ein und nahm sein Szepter wieder entgegen.
„Ich bin heute König“, hatte er gesagt. „das heißt, ich darf bestimmen. Du kannst Chef sein oder Kapitän.“ Alles klar. Da waren die Rollen doch schon geklärt.
Der Friedefürst war heute besonders umgänglich. Er hatte es erfolgreich geschafft die Wutanfälle des Geschwisterchens gekonnt zu ignorieren und einmal sogar einen Kompromiss zu seinem Nachteil angeboten. Ich finde, da darf er heute gerne König sein.
„Geschichte“ forderte er mich auf und als ich nicht sofort reagierte ergänzte er „Papaaa, kannst du mir bitte eine Geschichte erzählen.“ „Na klar, was soll denn darin vorkommen?“ „Ein König.“ Also begann ich zu erzählen von einem König, den Sie Friedefürst, Wunderrat, ewiger Vater und Friedefürst nannten. Ich begann am Anfang:
Als der Friedefürst seinen Thron bestieg,
verwandelte sich die Welt, es fühlte sich an als ob die erste Morgensonne über dem Horizont aufging und die Welt langsam in goldenes Licht tauchte. Alles schien zu glänzen. Der Himmel war gehüllt in ein tiefes, klares Blau, und die Luft roch nach etwas Neuem – nach Hoffnung.
verwandelte sich die Welt, es fühlte sich an als ob die erste Morgensonne über dem Horizont aufging und die Welt langsam in goldenes Licht tauchte. Alles schien zu glänzen. Der Himmel war gehüllt in ein tiefes, klares Blau, und die Luft roch nach etwas Neuem – nach Hoffnung.
Die Straßen der Städte waren belebt, aber nicht hektisch. Menschen hielten an, um miteinander zu reden, mit einem Lächeln, das nicht nur ihre Lippen, sondern ihre Augen erreichte. An den Türen waren keine Schlösser mehr, weil niemand etwas zu verbergen hatte und es keine Diebe mehr gab. – Diebe sind ein wichtiges Thema bei Vierjährigen- Die Märkte dufteten nach frischem Brot, süßen Früchten und würzigen Kräutern. Händler riefen einander zu – nicht, um sich zu überbieten, sondern um zu teilen. „Hier, nimm ein Stück mehr, ich habe genug,“ hörte man immer wieder.
In den Feldern arbeiteten Menschen Seite an Seite, ohne Eile, aber dafür mit Fleiß. Sie lachten, sangen, und ihre Hände schienen zu wissen, dass sie nicht nur Nahrung, sondern auch Freude und Frieden säten. Ein kleines Kind lief durch das hohe Gras, lachte laut und hielt einen Löwenzahn in der Hand. Kein Erwachsener rief: „Pass auf!“ Es gab nichts mehr, wovor man sich fürchten musste.
Die Kriege waren längst verstummt. Waffen gab es keine mehr – sie waren umgeschmiedet worden zu Pflugscharen, zu Werkzeugen, mit denen Leben erhalten wurde, statt es auszulöschen. An den Orten, wo einst Ruinen wie Narben der Gewalt zu sehen waren, standen nun Gärten, die summten vor Leben. Blumen in allen Farben, die niemand gepflanzt hatte, wuchsen an den Rändern der Wege. Die Welt hatte sich selbst geheilt.
Am Abend, wenn die Dämmerung hereinbrach, saßen die Menschen um große Feuer. Sie erzählten Geschichten – nicht von Angst oder Verlust, sondern von Wundern, die sie erlebt hatten. Einer erzählte, wie ein wilder Wolf nun Seite an Seite mit einem Lamm schläft, wie der Löwe Heu frisst neben dem Ochsen. Ein anderer sprach von einer Zeit, als die Erde noch gebebt hatte vor Ungerechtigkeit, und Tränen liefen über seine Wange – nicht vor Trauer, sondern weil die Erinnerung daran so fern und unwirklich schien.
Es gab keinen Hunger mehr. Kein Kind lag allein, keine Mutter weinte sich in den Schlaf. Dort, wo einst Mauern standen, wuchsen nun Weinreben, deren Früchte frei für alle waren. Die Lieder der Menschen klangen durch die Täler und Städte wie eine einzige, harmonische Melodie. Es war, als würde die Welt selbst mitsingen, in den Flüssen, im Wind, in den Herzen der Menschen.
Der Friedefürst selbst ging unter den Menschen, unscheinbar und doch so majestätisch, dass niemand an seiner Gegenwart zweifelte. Er hatte keine Krone, nur ein warmes Lächeln und Augen, die jeden ansahen, als wäre er oder sie das Wertvollste der Welt. Wenn er sprach, verstummten aufkeimende Sorgen. Wenn er schwieg, fühlte man sich verstanden. Und wenn er lachte, war es, als ob die Schöpfung selbst vor Freude bebte.
Es war eine Welt ohne Angst, ohne Schmerz, ohne Schuld. Eine Welt, in der jeder Platz hatte, in der jeder Mensch wusste: Ich bin willkommen. Ich bin geliebt. Ich bin sicher.
Das war die Welt, in der der Friedefürst regierte. Und in dieser Welt war der Frieden kein ferner Traum, sondern die Luft, die alle atmeten, und das Licht, das jeden Morgen die Erde küsste.
----
Ich hielt inne mit meiner Erzählung. „Papa gab es das wirklich?“ fragte der Friedefürst auf meinem Schoß mit kindlichem Ernst. Ich überlegte einen Moment. „Den König gab es wirklich. Der ist jetzt bei Gott und sein Königreich voller Liebe wird es einmal geben. Das hat er feste versprochen und das glaube ich ihm.“ „Das ist schön.“ Fasst er es philosophisch zusammen. „Ja,“ entgegne ich „das ist schön und es wird schön.“
Amen und frohe Weihnachten!
[1] Das Volk, das in der Finsternis lebt, hat ein großes Licht gesehen. Es scheint hell über denen, die im düsteren Land wohnen. [2] Gott, du lässt sie laut jubeln, du schenkst ihnen große Freude. Sie freuen sich vor dir, wie man sich bei der Ernte freut. Sie jubeln wie beim Verteilen der Beute. [3] Zerbrochen hast du das drückende Joch, die Stange auf ihrer Schulter und den Schlagstock der Peiniger. Es ist wie damals, als die Midianiter besiegt wurden. [4] Verbrannt wird jeder Stiefel, mit dem die Soldaten dröhnend marschierten. Ins Feuer geworfen wird jeder Mantel, der im Krieg mit Blut getränkt wurde. [5] Denn uns wurde ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt worden. Ihm wurde die Herrschaft übertragen. Er trägt die Namen: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst. [6] Seine Herrschaft ist groß und bringt Frieden ohne Ende. Er regiert als König auf dem Thron Davids und schafft Recht und Gerechtigkeit. So festigt und stärkt er sein Königreich jetzt und für immer. Der Herr Zebaot bewirkt das in seiner leidenschaftlichen Liebe.
[1] Das Volk, das in der Finsternis lebt, hat ein großes Licht gesehen. Es scheint hell über denen, die im düsteren Land wohnen. [2] Gott, du lässt sie laut jubeln, du schenkst ihnen große Freude. Sie freuen sich vor dir, wie man sich bei der Ernte freut. Sie jubeln wie beim Verteilen der Beute. [3] Zerbrochen hast du das drückende Joch, die Stange auf ihrer Schulter und den Schlagstock der Peiniger. Es ist wie damals, als die Midianiter besiegt wurden. [4] Verbrannt wird jeder Stiefel, mit dem die Soldaten dröhnend marschierten. Ins Feuer geworfen wird jeder Mantel, der im Krieg mit Blut getränkt wurde. [5] Denn uns wurde ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt worden. Ihm wurde die Herrschaft übertragen. Er trägt die Namen: wunderbarer Ratgeber, starker Gott, ewiger Vater, Friedefürst. [6] Seine Herrschaft ist groß und bringt Frieden ohne Ende. Er regiert als König auf dem Thron Davids und schafft Recht und Gerechtigkeit. So festigt und stärkt er sein Königreich jetzt und für immer. Der Herr Zebaot bewirkt das in seiner leidenschaftlichen Liebe.
- Tobias Patzwald